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Wie das Kiefergelenk wächst – und warum das für Ihre CMD-Therapie wichtig ist

  • Autorenbild: DDr. Rainer Biedermann
    DDr. Rainer Biedermann
  • vor 5 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Inhaltsverzeichnis



Ein faszinierendes Zusammenspiel von Biologie und Funktion


Das Kiefergelenk ist kein starres Scharnier, sondern ein lebendiges Wachstumszentrum. Während die meisten Knochen ihre endgültige Form nach der Kindheit weitgehend behalten, bleibt das Kiefergelenk bis ins Erwachsenenalter anpassungsfähig – und reagiert auf Belastung, Haltung, Hormone und Muskelspannung.


Diese Erkenntnis ist zentral für das Verständnis vieler funktioneller Beschwerden – von Kieferknacken über Kopfschmerzen bis hin zu einer echten CMD (Craniomandibulären Dysfunktion).


Was im Kiefergelenk passiert


Das Kiefergelenk besteht aus einem Gelenkköpfchen (Condylus), einer Gelenkpfanne und einer Knorpelscheibe (Diskus) dazwischen. Diese drei Strukturen bewegen sich bei jedem Schlucken, Sprechen und Kauen in fein abgestimmter Koordination.

Schon im Mutterleib beginnt die Entwicklung – zwischen der 8. und 14. Schwangerschaftswoche. Nach der Geburt wächst das Gelenk weiter, formt sich mit der Kieferfunktion und reagiert auf Muskelkräfte und Zahnkontakte.


Funktion formt also Anatomie – und umgekehrt.


Wachstum ist Anpassung


Der Gelenkkopf ist mit einer lebendigen Wachstumszone ausgestattet. Hier entstehen durch Zellteilung und Umbau neue Knochenstrukturen – ähnlich wie bei Wachstumsfugen anderer Körperteile. Der Unterschied: Diese Zone bleibt lebenslang aktiv, wenn sie durch Bewegung und Reize angesteuert wird.


Das bedeutet:


  • Richtige Belastung fördert Anpassung und Stabilität.

  • Fehlbelastung führt zu Umbau in ungünstige Richtung – etwa zu asymmetrischem Gelenkwachstum oder Fehlbiss.


Darum sind funktionelle Therapien wie myoReset® so wirksam: Sie helfen, Muskelspannungen auszugleichen, Bewegungen zu harmonisieren und damit die biologische Selbstregulation des Kiefergelenks wieder zu aktivieren.


Hormone, Ernährung und Lebensstil


Auch Hormone beeinflussen das Kieferwachstum. Während Wachstumshormon (GH) und Testosteron die Aktivität fördern, kann Östrogen hemmend wirken – insbesondere bei jungen Frauen, was CMD-Beschwerden teilweise erklärt.

Ebenso wichtig ist die Art der Ernährung: Studien zeigen, dass eine weiche Kost (z. B. Smoothies, Brei, Softfood) die Kaubelastung reduziert – und damit das Kiefergelenk unterfordert. Eine abwechslungsreiche, bissfeste Ernährung unterstützt dagegen die natürliche Entwicklung.


Warum das für die CMD-Therapie zählt


Das Kiefergelenk vergisst nichts: Fehlhaltungen, Stress, Zähneknirschen oder einseitiges Kauen hinterlassen Spuren im Gelenk. Eine erfolgreiche CMD-Behandlung bedeutet daher nicht nur, Symptome zu dämpfen, sondern Funktion und Struktur wieder in Einklang zu bringen.


Fazit


Das Kiefergelenk ist ein dynamisches Organ: Es wächst, passt sich an und bleibt formbar – ein Leben lang. Wer seine Funktion versteht, kann Beschwerden gezielt verändern.

„Funktion formt Struktur – und Struktur formt Funktion.“ Das gilt im Kiefergelenk wie kaum irgendwo sonst im Körper.


Tipp:


Wenn Sie häufiger Kieferknacken, Verspannungen oder Kopfschmerzen bemerken: Lassen Sie Ihre Kiefergelenksfunktion analysieren. Bei myoDontix erfolgt dies durch eine CMD-Funktionsanalyse mit muskelfunktioneller Untersuchung und, wenn nötig, myoReset®-Therapie.






FAQ


Wächst das Kiefergelenk wirklich ein Leben lang?

Ja. Anders als viele andere Gelenke bleibt das Kiefergelenk lebenslang remodellierbar. Das bedeutet: Es kann sich funktionell anpassen – z. B. an Kaubelastung, Haltung oder Muskelspannung. Diese Umbauvorgänge sind biologisch gewollt und tragen dazu bei, dass sich das Gelenk gesund an Bewegung anpasst.

Wann beginnt die Entwicklung des Kiefergelenks?

Zwischen der 8. und 14. Schwangerschaftswoche entstehen die Grundstrukturen: der Gelenkkopf (Kondylus), die Gelenkpfanne und der Diskus.

Ab diesem Zeitpunkt wächst das Gelenk mit der Kieferfunktion – also durch Kauen, Schlucken und Sprechen – weiter.

Welche Rolle spielt Kauen für das Kiefergelenk?

Eine sehr große.

Durch regelmäßiges Kauen werden die Wachstumszellen im Gelenk mechanisch stimuliert.

So bleibt das Gewebe aktiv, stabil und belastbar.

Eine dauerhaft weiche Kost oder wenig Kaubelastung kann dagegen zu einer Unterforderung führen.

Kann Stress oder Knirschen das Kieferwachstum verändern?

Ja, indirekt.

Ständiger Druck, Pressen oder Knirschen führen zu Fehlbelastungen der Kondylen.

Das kann Umbauvorgänge im Knochen und Veränderungen der Gelenkform begünstigen.

Funktionelle Therapien wie myoReset® helfen, diese Überlastungen zu reduzieren und das Gelenk zu entlasten.

Warum betrifft CMD häufiger Frauen?

Das Kiefergelenk reagiert auch auf hormonelle Einflüsse.

Östrogen wirkt im Gelenkgewebe hemmend auf die Zellaktivität und kann dadurch die Anpassungsfähigkeit beeinflussen.

Zudem reagiert das Gelenk empfindlicher auf hormonelle Schwankungen, was bei Frauen häufiger zu CMD-Beschwerden führen kann.

Was bedeutet „Funktion formt Struktur“ konkret?

Jede Bewegung, jeder Muskelzug und jeder Bissreiz hinterlässt Spuren im Kiefergelenk.

Positive, symmetrische Belastungen fördern stabiles Wachstum – ungleichmäßige führen zu Dysbalancen.

Genau dieses Prinzip nutzt die myofunktionelle Therapie: Sie steuert die natürliche Anpassung des Gelenks in gesunde Bahnen.

Kann sich ein geschädigtes Kiefergelenk wieder erholen?

In vielen Fällen ja.

Solange die funktionellen Reize wieder physiologisch sind (richtige Belastung, Entspannung, gute Muskelkoordination),

kann sich das Gelenkgewebe teilweise regenerieren und neu strukturieren.

Daher spielt die aktive Mitarbeit des Patienten – etwa mit Übungen oder bewusster Kieferentspannung – eine zentrale Rolle.

Wann sollte ich mein Kiefergelenk untersuchen lassen?

Wenn Sie wiederkehrende Symptome wie

Kieferknacken, eingeschränkte Mundöffnung, Kopfschmerzen, Nackenverspannungen oder Ohrgeräusche bemerken.

Eine gezielte CMD-Analyse kann frühzeitig zeigen, ob eine funktionelle Fehlbelastung vorliegt und welche Therapie sinnvoll ist.



 
 
 

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